Ausstellungsansicht 'ESSEN IN DER KUNST', Forum Frohner 2013, Foto: Christian Redtenbacher
Ausstellungsansicht 'ESSEN IN DER KUNST', Forum Frohner 2013, Foto: Christian Redtenbacher
Genuss und Vergänglichkeit

Essen in der Kunst

20/10/2013 - 23/03/2014

„Das Kochen ist nicht nur ein bildender Prozess wie andere Künste, sondern beides: Unmittelbares Eingreifen in die Natur und künstlerisch bildender Prozess“. Peter Kubelka

Essen ist Lebensnotwendigkeit, es verbindet den Mensch auf elementarste Weise mit der Welt, es vergegenwärtigt den ewigen Zyklus von Leben und Tod. Als Teil unserer kulturellen Identität ist es seit jeher eine Inspirationsquelle für kreatives Schaffen.

Essen ist aber auch sozial normierte und kulturell geprägte Handlung, Katalysator für Geselligkeit und Festlichkeit, fundamentaler Bestandteil gesellschaftspolitischer Prozesse sowie religiöser Riten. Die Symbolkraft von Essbarem im religiösen Kontext ist bis heute Thema der Kunst. Auf die christliche Tradition verweisen Arbeiten von Adolf Frohner und Dieter Froelich ebenso wie die Kreuzigungsrituale und Tierschlachtungen des Orgien-Mysterien-Theaters von Hermann Nitsch.

Als eigene Kunstrichtung postulierte die Eat Art die „Einheit von Kunst und Leben“ und erhebt in den 1960er und 1970er-Jahren Essen zum künstlerischen Medium. So verdeutlicht Dieter Roth in seinem Werk das Prozesshafte allen Seins über den Verfall und die Zersetzung von Lebensmitteln. Essen und Kochen als Schnittstelle zwischen Natur und Kultur visualisieren Daniel Spoerris „Fallenbilder“, die als stumme Zeugen eines ewigen Kreislaufes einen Ausschnitt aus dem Zyklus des Lebens zeigen.

Joseph Beuys dienen bestimmte Nahrungsmittel zur Vermittlung seines Begriffs der „sozialen Plastik“. So steht der Honig ikonisch für das arbeitsteilige Zusammenwirken der Bienen und damit für eine funktionierende Gesellschaftsordnung.

Die Entfremdung des Menschen vom Ursprung der Nahrungsressourcen bestimmt das Essverhalten der Gegenwart. So verweist Klaus Pichler auf die weltweite Vernichtung von Lebensmitteln während Robert F. Hammerstiel Ersatzwelten und Projektionen der Werbung entlarvt, die den Wunsch der Menschen nach einer heilen Welt bedienen.

Die Ausstellung zeigt darüber hinaus Arbeiten von Christian Ludwig Attersee, Heinz Cibulka, Christian Eisenberger, Markus Hanakam und Roswitha Schuller, Edgar Lissel, Alois Mosbacher, Michael Pisk, Otto Mühl, Paul Renner, Rudolf Schwarzkogler, Roman Signer und Erwin Wurm, die die beständige Relevanz des künstlerische Umgangs mit der Grundsubstanz Nahrung als elementares Verbindungsglied von Kunst und Leben verdeutlichen.

Kurator(inn)en: Sabine Fellner, Dieter Ronte